© FRANZISKA DITTRICH

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Berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale Hochbegabter

Hier geht es um die berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale Hochbegabter. Wo liegen die Unterschiede zu Normalbegabten und welche Auswirkungen hat das im Arbeitsalltag?

Im ersten Moment fragt man sich vielleicht, ob Hochbegabung (die man ja eigentlich in erster Linie mit Intelligenz in Verbindung bringt) überhaupt auch mit differenzierten Persönlichkeitseigenschaften einher gehen kann.

An der Ruhr Universität Bochum wurde im Jahr 2013 genau zu dieser Fragestellung eine Studie mit hochbegabten Erwachsenen durchgeführt. Die Ergebnisse sind sehr aussagekräftig und zeigen deutlich, dass es sehr gravierende Unterschiede zu „Normalbegabten“ gibt. Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 14 Dimensionen erhoben. Unterschiede gab es überall. Die größten Abweichungen zeigten sich aber in den Bereichen Teamorientierung, Kontaktfähigkeitund emotionale Stabilität. Was das genau bedeutet erläutere ich im Folgenden näher.





Teamorientierung


Hochbegabte denken und fühlen anders als andere – das steht außer Frage. Die Integration in ein Team geht immer mit einer gewissen Anpassungsfähigkeit einher und erfordert somit auch oft Verständnis und Mitgefühl für andere Teammitglieder.

Genau in diesen Punkten tun Hochbegabte sich sehr schwer. Dies rührt daher, dass sie häufig schon seit ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht haben, dass sie alleine am schnellsten zur besten Lösung kommen, weil andere nicht Schritt halten können mit dem vorgegebenen Tempo. Wenn sie dann in der Schule und auch im Beruf noch dazu gezwungen werden, mit anderen zu kooperieren und sich dadurch beeinträchtigt fühlen, entwickeln sich oft Wut und Ablehnung. Dies bringt irgendwann die Überzeugung: „Ich mache am liebsten alles alleine, so funktioniert es am besten.“ mit sich.


Kontaktfähigkeit


Smalltalk ist für die meisten Hochbegabten ein Graus, verschwendete Zeit, weil er nicht zu einem Ergebnis führt. Im Kontakt mit anderen Menschen langweilen sie sich oft, erkennen den Mehrwert der Gespräche nicht für sich und beschließen dann, dass man alleine ja eigentlich auch ganz gut klar kommt. Auch wirkt ihr Auftreten und die Eigenschaft, den eigenen Vorsprung der Gedanken zu äußern, auf andere oft arrogant und abschreckend.


Emotionale Stabilität


Dieser Punkt ist eng mit meiner Vision, Hochbegabung als Geschenk anzusehen, verbunden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in der Gesellschaft (aus mir unerklärlichen Gründen) eher verpönt ist, positiv über hohe Intelligenz zu sprechen. Schon in der Schule werden hochbegabte und hochleistende Kinder als „Streber“ bezeichnet und gehänselt. Auch im Erwachsenenalter wird man mit Floskeln wie „Besserwisser“, „Klugscheißer“ oder „Angeber“ gequält und gilt häufig als Unsympath, wenn man sich von der Norm abhebt. Meiner Meinung nach ist es kein Wunder, wenn dies an Betroffenen nicht alles spurlos vorbeigeht und sie dadurch sehr sensibel und emotional instabil werden.


Fazit


Im Privaten, im Berufsleben allgemein und auch im sozialen Kontakt mit anderen kann es für alle Beteiligten zu großen Schwierigkeiten kommen, wenn diese Unterschiede nicht erkannt, berücksichtigt und respektiert werden. Man sollte diese Punkte daher immer im Hinterkopf behalten und sich in entsprechenden Situationen daran erinnern.

Den nächsten Artikel werde ich den Stärken und Schwächen widmen, die aus diesen differenzierten Persönlichkeitseigenschaften resultieren.