© FRANZISKA DITTRICH

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Fünf goldene Regeln für Hochbegabte im Arbeitsalltag

Heute teile ich fünf wichtige Regeln mit Dir, die Dir als Hochbegabte(r) den Arbeitsalltag erleichtern werden.


In einem meiner letzten Beiträge habe ich bereits erläutert, wie das optimale Arbeitsumfeld für Hochbegabte aussehen müsste. In diesem Beitrag ging es darum, wie man den passenden Arbeitgeber und die passende Tätigkeit findet und ich habe ein paar Tipps und Tricks verraten, wie man seinen Arbeitsalltag entspannter gestalten kann.


Solange man als Hochbegabter in eine Unternehmenskultur integriert ist, ist man gefordert, sich gut funktionierende Strategien zuzulegen, um im Arbeitsalltag gut auszukommen – sowohl mit der Führungsetage, als auch mit sich selbst. Für mich haben sich mit den Jahren einige wertvolle Learnings herauskristallisiert, die ich heute gerne mit Dir teilen möchte. Wenn Du noch weitere Tipps hast, teile sie gerne in den Kommentaren oder in der HIGHLY GIFTED Facebook-Community mit uns. Mir ist es an dieser Stelle noch einmal sehr wichtig zu betonen, dass es mir nicht darum geht, Dich zur Anpassung zu drängen.


Regel Nr. 1: Bleib locker!


Diese Regel ist wohl die Wichtigste und steht daher für mich unumstritten an Platz 1. Als Hochbegabter ist man oft im Perfektionsstreben gefangen, mischt bei allen Themen mit, hat zu allem eine Meinung (und sich schon über alles Gedanken gemacht) und legt großen Wert darauf, gehört zu werden. Gepaart mit Sturheit und der Freude an ausufernden Diskussionen schafft man es so in kurzer Zeit, jeden Vorgesetzten in den Wahnsinn zu treiben. Es ist selbstverständlich wichtig, die eigenen Ziele beständig zu verfolgen und es ist lobenswert, wenn man sich für die positive Entwicklung des Unternehmens einsetzt. ABER: Setze Deinen Arbeitgeber nicht mit Deinem eigenen Unternehmen gleich. Auch wenn die Dinge manchmal nicht so laufen, wie Du es Dir vorstellst und ein anderer Weg eingeschlagen wird als der, den Du für den besten hältst – das ist okay. Es ist schön, wenn Du so engagiert bist und freiwillig Verantwortung übernimmst, allerdings nur in Maßen. Mach Dich locker und werde Dir bewusst, dass die Führungsetage ihre eigenen Vorstellungen hat und diese für die Richtigen hält. Du kannst natürlich jederzeit Deine Bedenken äußern und Dich konstruktiv einbringen. Wenn du aber merkst, dass das auf taube Ohren stößt, versuche nicht auf Biegen und Brechen Deinen Kopf durchzusetzen. Bleib locker, lehn Dich zurück und lasse es zu, einmal nicht die volle Kontrolle über den Lauf der Dinge zu haben. Vielleicht gibt es ja auch noch einen anderen als den direkten Weg zum Erfolg?


Regel Nr. 2: Dein Chef ist Dein Kunde.


Sobald Vorgesetzte merken (und das tun gute Vorgesetzte in der Regel innerhalb kurzer Zeit), dass Du ihnen intellektuell überlegen bist, beginnen sie leider häufig zu befürchten, dass Du an ihrem Stuhl sägen möchtest. Diese Befürchtungen können sich mit der Zeit in sehr unschönen Verhaltensweisen seitens der Führungskraft manifestieren. In vielen Unternehmen herrscht leider nach wie vor die Ansicht, dass Du als Arbeitnehmer nur dafür eingestellt wirst, um die Aufgaben zu erledigen, die Dein Chef Dir delegiert. Selbstständiges Denken, Weiterdenken oder gar das Aufdecken von Missständen ist nicht erwünscht. Früher war ich über diese Tatsache sehr verärgert und habe mich regelmäßig in allen Facetten darüber ausgelassen und beschwert. Ich war der festen Überzeugung, dass die einzig wahre Lösung die Selbstständigkeit sei. Doch als ich diesen Gedanken dann weiter gewälzt habe, kam mir Folgendes: Als Selbstständiger bin ich zwar in der Gestaltung meiner Arbeit frei, dennoch gibt es immer auch einen Kunden, der den Takt oder zumindest das Ergebnis vorgibt.


Bei den Kunden gibt es genau wie bei den Vorgesetzten auch unterschiedliche Typen: Den Typen, der das Maximale für sich herausholen möchte und demnach für Vieles offen ist und den Typen, der eine klare Vorstellung von der Lösung seines Problems hat und mich nur mit deren Umsetzung beauftragt. Ich verdeutliche meinen Gedankengang gerne anhand eines Beispiels. Nehmen wir an, ich bin Berater und Coach, habe einen gut gefüllten Methodenkoffer und diverse Ausbildungen durchlaufen. Ein Kunde bucht einen Termin bei mir und möchte sich hypnotherapeutisch behandeln lassen, weil er der Überzeugung ist, dass dies die richtige Behandlungsmethode für sein vorliegendes Problem ist. Als Behandler merke ich schnell, dass für meinen Klienten eigentlich eine andere Anwendung viel gewinnbringender sein könnte und schlage ihm diese Alternative vor. Kunde Typ 1 wird sich darüber freuen und sich darauf einlassen, auch wenn er ursprünglich etwas anderes im Sinn hatte. Gemeinsam holen wir so das Maximale für ihn heraus und er ist im Anschluss äußert glücklich und zufrieden. Kunde Typ 2 beharrt auf seinen Wunsch und wählt die hypnotherapeutische Behandlung. Ihm geht es danach besser und er ist zufrieden – dass noch Luft nach oben ist, interessiert ihn nicht, da er von seiner eigenen Vorstellung zutiefst überzeugt ist.


Als Anbieter einer Dienstleistung oder eines Produktes sind wir also immer auf die Wünsche unserer Kunden angewiesen – sei es nun in der Selbstständigkeit oder in einer Festanstellung.


An dieser Stelle möchte ich kurz Charlie Chaplin aus einer Rede an seinem 70. Geburtstag zitieren:

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken, obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit, und auch wenn ich selbst dieser Mensch war. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT“


Im ersten Moment mag das für Dich nun vielleicht unpassend klingen und Du fragst Dich, was das mit dem Thema zu tun hat. Dann lies es nochmal. Und nochmal.


Versuche einmal, Dich etwas zurückzunehmen mit Deinen Ambitionen, Deinen Wünschen und Deinem „gut meinen“. Liefere Deinem Kunden das, was er haben möchte. Perfektioniere genau das, was Dein Kunde haben möchte und wetteifere mit Dir selbst anstatt mit anderen. Wenn Du damit fertig bist und immer noch unglücklich: Steig ab, das tote Pferd wird nicht wieder lebendig.


Regel Nr. 3: Lege die Messlatte nicht zu hoch.


Diese Regel ist eng verknüpft mit Regel Nr. 2. Du gehst jeden Tag auf’s Neue einen Tauschhandel mit Deinem Arbeitgeber ein. Du tauschst Deine wertvolle Lebenszeit und Deine Leistung gegen Geld und Anerkennung. Ich wünsche Dir von Herzen, dass du aktuell einen Job hast, in dem Du fürstlich entlohnt wirst und jeden Monat beim Blick auf Deinen Kontoauszug hochzufrieden bist, jedes Feedback-Gespräch freudestrahlend verlässt. Doch Hand auf’s Herz: Wie vielen Menschen geht es wirklich so? Und was ist der Grund dafür, dass so viele Menschen so furchtbar unglücklich sind mit dem, was sie bekommen (sowohl in Form von Geld, als auch in Form von Anerkennung)? Der Grund ist, dass sie überzeugt davon sind, mehr zu verdienenals das, was sie bekommen. Und warum ist das (speziell bei uns Hochbegabten) so? Als Hochbegabter gelten für Dich höchstwahrscheinlich nur Deine eigenen Ansprüche, nur das Beste ist gut genug und die Messlatte wird in regelmäßigen Abständen von Dir selbst höher gehängt. Ganz klar, dass damit auch die Ansprüche an Deinen Verdienst und die entgegengebrachte Anerkennung steigen. Wenn Du einmal ganz objektiv darüber nachdenkst, wird Dir sicher schnell klar, dass der Kunde, der einen VW bestellt hat, sicherlich nicht den Preis für einen BMW bezahlen wird, oder? Löse Dich von Deiner zwanghaften Vorstellung, nur dann gut genug zu sein, wenn Du jeden Tag noch besser wirst. Du bist gut, so wie Du bist! Auch wenn Du das Ergebnis, das im Dezember erwartet wird, schon im August lieferst. Das war nicht die Anforderung. Entwickle ein realistisches Verständnis und orientiere Deine Anforderungen und Ansprüche an Dich selbst an dem, was Dein Kunde wünscht. Nutze Deine überschüssige Energie, Deine freie geistige Kapazität und den Elan in Deiner Freizeit für Dinge, die Dir Freude bereiten.


Regel Nr. 4: Lass Dich beraten.


Jedem Menschen wohnt sein ganz persönliches Ego inne. Dieses Ego diktiert Dir Deinen Drang danach, Dich aus einer Masse hervorzuheben, etwas Besonderes zu sein. Es gaukelt Dir den Hunger nach Macht und Aufmerksamkeit vor. In der Regel sucht Dein Ego Umgang mit den Menschen (und findet genau diese Menschen gut), die am meisten zu seiner Befriedigung beitragen. Genau so geht es auch Deinen Vorgesetzten. Sie möchten lieber ihre eigenen Ideen anstatt Deiner hören, lieber über ihre eigene Meinung diskutieren als über Deine. Auch wenn Du der festen Überzeugung bist, dass Du alleine schneller und effizienter ans Ziel kommst: Lass Dich beraten. Frage Deinen Vorgesetzten stets nach seiner Meinung, beziehe ihn in Entscheidungen mit ein und gib ihm das Gefühl, dass er wichtig ist. Versteh mich nicht falsch, Du sollst niemandem etwas vorgaukeln oder Dich verstellen. Übe Dich lediglich darin, Deinem Gegenüber das Gefühl zu geben, wichtig zu sein und gehört zu werden – genau das, was Du dir auch für Dich wünschst. Du denkst vielleicht häufig, niemand könne Dir etwas sagen, Du bräuchtest keine Hilfe von anderen und Dein Kompetenzlevel läge weit über dem Deiner Führungskraft. Lass Dir gesagt sein: Du kannst von jedemMenschen irgendetwas lernen. Versuche einmal, offen zu sein für das, was Dein Vorgesetzter zu sagen hat. Höre ihm aufrichtig zu und nehme ihn ernst in dem, was er sagt. Tausche Dich mit ihm über Deine und seine Gedanken aus und lasse ab von der Überzeugung, immer Recht haben zu müssen. Denke auch hier wieder an Regel Nr. 2. Nur wer seinen Kunden aufmerksam zuhört, kann ihre Bedürfnisse und ihren Bedarf kennenlernen und maßgeschneiderte Ergebnisse liefern.


Regel Nr. 5: Setze Dein Potenzial in Leistung um.


Potenzial ist etwas Abstraktes, das nicht greifbar ist. Kein Unternehmen erfreut sich daran, wenn es 100 Mitarbeiter hat, die könnten aber nicht tun. Nun hatte ich in der Vergangenheit schon häufiger erwähnt, dass Unternehmen ihren hochbegabten Mitarbeitern oft nicht die nötigen Bedingungen schaffen, dass diese ihr Potenzial ausleben können. Dennoch solltest Du im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten stets Höchstleistung erbringen, wenn Du vorankommen möchtest. Jemand, der immer als Erster ins Ziel einläuft, wird höchstwahrscheinlich eher gesehen als jemand, der immer in der breiten Masse mitläuft. Achte aber auch hier wieder darauf, Regel Nr. 1, 2, 3 und 4 nicht zu missachten. Und ganz besonders wichtig: Tu all das nicht mit dem Gedanken, etwas haben zu wollen. Frage Dich stets, was Du geben kannst.


Fazit


All diese „Regeln“ sollen Dir als Denkanstöße dienen, die Geschehnisse und Deine Realität einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wenn Du dich bereits länger in einer unglücklichen Situation im Job befindest und schon alles Mögliche erfolglos versucht hast, möchte ich Dich dazu ermutigen, offen für Neues zu sein. In diesem Sinne beende ich den heutigen Beitrag mit einem weiteren Auszug aus Charlie Chaplins Rede:


„Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.“