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Hochbegabte und ihre Sorgen – Warum über den Wolken immer die Sonne scheint

Hochbegabte werden oft von Sorgen geplagt und die Sonne im Leben schwindet, Wolken machen sich breit. Erfahre in diesem Beitrag, wie Du Dir die Sonne zurück in Dein Leben holst und beginne noch heute damit.


Heute möchte ich Dir zu Beginn eine kleine Geschichte dazu erzählen, wie die Idee zu diesem Beitrag entstanden ist.


Es war Montag Morgen, etwa 06:00 Uhr, ich saß noch etwas verschlafen im Flugzeug, habe es mir in meinem Sitz bequem gemacht und voller Vorfreude auf den Moment gewartet, in dem wir abheben und schließlich die dicke Wolkendecke durchbrechen. (Ich muss vielleicht dazu sagen, dass ich das Fliegen liebe, weil es für mich einfach etwas Magisches an sich hat.) Dann war es endlich soweit: die wohlgeformten, weißen Wölkchen konnte ich inzwischen von oben bestaunen und alles was in diesem Moment für mich noch zählte, waren die Sonne und Frieden. Ein Gefühl tiefster innerer Zufriedenheit, Dankbarkeit und zeitgleich ein messerscharfer Fokus auf diese wunderschöne Umgebung. Im Verlauf des Fluges sind wir über Gebiete geflogen, in denen dicke, schwarze Wolken gerade ihre Regentropfen verteilt haben, es in Strömen geregnet hat, aber auch über solche, in denen die Sonne sich von ihrer schönsten Seite zeigte. Meine Gedanken schweiften von einem Thema zum nächsten und hielten schließlich inne.


Wir Menschen beklagen uns so häufig, sind traurig und bedrückt, unzufrieden, vielleicht sogar depressiv, weil wir in unserer derzeitigen Situation die Sonne nicht sehen können und mit der Zeit vielleicht sogar vergessen haben, dass es sie überhaupt gibt.


Wir leben in der Vergangenheit und in der Zukunft, wissen genau was uns fehlt und was alles schlecht ist. Wir klammern uns an Menschen und Dinge, trauern um Verluste und fürchten Veränderungen. Wir ärgern uns über Kleinigkeiten, lassen uns die Stimmung von Lappalien vermiesen, machen andere für unser Unwohlsein verantwortlich und leiden anschließend wie arme Opfer. Wir vergessen, wer wir sind, wofür wir einst gebrannt haben und was uns ausmacht. WOW! Wolken über Wolken über Wolken, die unser Bewusstsein trüben.


Auf einmal überlagerte Traurigkeit meinen inneren Frieden – unendliche Traurigkeit darüber, dass wir Menschen tatsächlich im Stande sind zu vergessen, wie unglaublich schön, lebendig und kraftvoll die Sonne über den Wolken ist.


Diese Gedanken haben mich auch in den folgenden Tagen nicht mehr losgelassen und daher möchte ich im heutigen Beitrag näher darauf eingehen, wie es aus meiner Sicht dazu kommt, dass Du als Hochbegabte(r) möglicherweise besonders viele dichte Wolken in Deinem Leben wahrnimmst, woher sie kommen und wie Du zukünftig wieder mehr Sonne zu Gesicht bekommst. Lass uns dazu eine kurze Reise durch unsere Entwicklungsgeschichte machen.


Deine Kindheit als Hochbegabte(r)



Wenn Du geboren wirst, bringst Du auf diese Welt Einiges mit. Einiges, um das Erwachsene Dich beneiden. Deine Unbeschwertheit, Dein herzhaftes Lachen, Deine Begeisterungsfähigkeit und Deine scheinbar unendliche Neugierde auf das Leben. Du interessierst Dich für alles, nur nicht für gestern und für morgen. Du tanzt im Regen, wirfst Dich in den Matsch, ohne Sorge darüber, ob Mama zuhause noch Fleckenentferner hat, lässt Deinen Gefühlen in aller Öffentlichkeit freien Lauf, ohne auf die Meinung anderer zu achten und stellst zu jeder Zeit all die Fragen, die Dich bewegen – auch die wirklich unpassenden. Etwas tun, wozu Du keine Lust hast? Müssen? Konsequenzen? Unvorstellbar! Das ist wolkenlos. Sonne. Eine Sonne, die einem und einer Jeden von uns ganz sicher einmal innegewohnt hat.


Und dann? Wenn die ersten Oxytocin-Schübe unserer Eltern verflogen sind, wir nicht mehr ganz so süß sind wie zu Beginn und einen eigenen Willen entwickeln, wenn wir ein Alter erreichen, in dem wir „zurechnungsfähig“ sind, zumindest teilweise Verantwortung für unser Handeln übernehmen können, beginnt der Ernst des Lebens und die ersten Wolken ziehen auf. Dann bekommen wir eingetrichtert, was sich gehört und was nicht. Man sagt uns, „wie Dinge richtig gehen“, vermittelt uns, welches Verhalten uns Liebe einbringt und welches Bestrafung nach sich zieht. Unsere Eltern entwickeln bewusst oder unbewusst eine genaue Vorstellung davon, was gut für uns ist und was nicht. Eine solche Vorstellung haben auch unsere Erzieher im Kindergarten, später die Lehrer in der Schule und alle Personen, die sich sonst noch so in unserem Umfeld tummeln. Nicht zu vergessen sind auch die Erwartungen. Erwartungen, dass das eigene Kind es doch so viel besser haben soll als man selbst. Erwartungen, die man einem so kleinen Wesen aufbürdet, ohne zu sehen, dass damit auch immer Enttäuschung und die Angst vor eben dieser einhergehen.


In all dem Trubel vergessen wir dann so früh als Kinder schon ganz, wofür wir eigentlich hier sind. Wir können den Kern unserer Identität schon in diesem zarten Alter nicht mehr spüren, sind verwirrt von dem „Leben“, das unser Umfeld in unserem Namen um uns herum konstruiert hat. Unsere kleine Kinderseele ist auf die Liebe und das Ansehen des Umfelds angewiesen, um zu überleben. Wir sind gezwungen, unsere ganz besondere Art, die Welt wahrzunehmen und zu verstehen sowie unsere so verletzliche, sensible Gefühlswelt in Frage zu stellen. Wir müssen als Hochbegabte schon im jungen Alter schmerzvoll lernen, dass andere von uns erwarten und uns daran messen, dass wir unsere Gedankengänge verargumentieren können, auch wenn wir sie selbst nicht nachvollziehen können. Frustration, Wutausbrüche, starrsinnige, nicht enden wollende Diskussionen und andere (für Außenstehende) überspitzte Gefühlsreaktionen kommen ans Licht. Kennst Du das? Vielleicht erinnerst Du Dich an solche Situationen aus Deiner eigenen Kindheit.


All das ist für mich inzwischen nicht mehr befremdlich, da ich inzwischen weiß, dass der menschliche Organismus zu jedem Zeitpunkt bemüht ist, fremde, also von außen kommende Lösungen, die nicht aus dem tiefsten Inneren kommen, abzustoßen. Intuitiv wissen wir schon im Kindesalter, was gut für uns ist und was nicht. Wir spüren innerliche Widerstände, die wir zwar rational nicht erklären können, die aber da sind. Wir fühlen uns unwohl, wollen uns eigentlich wehren gegen das, was uns widerfährt und resignieren dann irgendwann, weil wir einfach zu schwach sind. Ein nicht endender Teufelskreis, der sich über die Jahre fortsetzt und bis zu unserem Tod Bestand hat, wenn wir ihn nicht irgendwann erkennen und unterbrechen.


Jugendlich und hochbegabt



Wenn die Jugend an unsere Tür klopft, kommen zu den bereits vorhandenen Wolken noch einige dazu – die Wolkendecke beginnt sich zu verdichten.


Die Karten werden neu gemischt und das Spiel gewinnt neue Regeln hinzu. In diesem Alter wird der Wunsch nach eigener Identität und Selbstfindung noch lauter und unser Rollenverständnis als Mann oder Frau prägt sich aus. „Wer bin ich? Wo will ich hin? Was tue ich eigentlich?“ sind Fragen, die uns beschäftigen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Vergleiche, die wir spätestens jetzt beginnen anzustellen. Wir vergleichen uns mit anderen und merken schnell, dass wir an irgendeinem Punkt früher oder später immer den Kürzeren ziehen. Einfach deshalb, weil Menschen nicht dafür gemacht sind, sich miteinander zu vergleichen – sonst wären wir schließlich alle gleich. Im Volksmund sagt man ja so schön, man solle Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Menschen mit Menschen aber offensichtlich schon?


Das Gefühl, anders zu sein wird immer stärker und unsere Intelligenz macht uns Angst. Wir denken anders, verstehen anders, nehmen anders wahr, wir sind einfach anders. Ungerechtigkeit und Widersprüche, Menschen, die ihren Werten nicht treu sind und sich und ihr Verhalten nicht reflektieren sind uns ein Dorn im Auge. So unnachgiebig und hart wir unsere Ansprüche gegenüber uns selbst durchsetzen, versuchen wir dies auch gegenüber anderen – und scheitern. Mit aller Macht und der noch verbleibenden Kraft versuchen wir, unseren eigenen Maßstab an andere anzulegen – und scheitern. Wir entwickeln Visionen davon, wie die Welt besser sein könnte, stellen uns vor, was wir alles einmal tun, haben und sein werden, wenn wir endlich „erwachsen“ sind und bauen hohe Erwartungen an uns selbst auf, die wir in den folgenden Jahren mit größtem Perfektionismus verfolgen. Oder wir sind planlos, haben keinen blassen Schimmer, wo die Reise hingehen soll und was einmal aus uns werden soll. Und dann vergleichen wir uns wieder. Wir vergleichen uns mit denen, die augenscheinlich all das haben, sind und tun, was wir nicht haben, sind und tun. So beginnen dann vielleicht sogar Depressionen. Sonne aus.


Endlich erwachsen!



War das nicht auch Dein größter Wunsch früher? Endlich erwachsen zu sein. Endlich so viel Schokolade kaufen, so lange wach bleiben und fernsehen, wie man möchte. Selbstbestimmt sein, Auto fahren, alleine wohnen, selbstständig Entscheidungen treffen, die die Welt verändern können und eigene Regeln machen. Komm, sei ehrlich – davon hast Du auch lange geträumt, oder? Endlich eine(r) von denen zu sein, die alles wissen, können und dürfen. Allerdings wahrscheinlich genau wie ich in Deinem kindlichen Leichtsinn, also ohne zu berücksichtigen, dass Du das Kind, das Du einmal warst, tief in Dir auch weiterhin bleiben wirst. Mit all Deinen Sorgen, Ängsten, Zweifeln und Wolken.


Leider gibt es den einen Tag nicht, an dem man von heute auf morgen einfach alles weiß, kann und darf. Zumindest habe ich ihn mit 27 noch nicht erlebt – Du etwa? Als Hochbegabte quälen uns vielleicht noch mehr als Normalbegabte täglich so viele Gedanken, die nicht aufhören wollen zu kreisen. Sie kreisen um den Sinn, um das Warum, wollen alles wissen und verstehen – besonders auch andere Menschen. Und dann kommt vielleicht die Angst. Die Angst davor, dass man jetzt doch eigentlich erwachsen ist und selbstbestimmt. Und selbst Entscheidungen treffen muss, für deren Konsequenzen man dann blöderweise auch noch verantwortlich ist. Die Angst davor, jetzt doch irgendetwas Sinnvolles tun und damit die Welt verändern zu müssen. Und dann beginnst Du wieder damit, Dich zu vergleichen. Andere haben es beruflich zu mehr gebracht, haben die Bilderbuch-Familie gegründet, die Du Dir immer schon gewünscht hast, fliegen regelmäßig zu Deinem Wunsch-Urlaubsziel und besitzen alles, was Dir zu Deinem perfekten Glück noch fehlt. Man, man, man... Sonne aus.


Manchmal fühlt sich das ganz schön untröstlich und gemein an. An dieser Stelle darfst Du Dich einmal lieb gedrückt fühlen.


Sonne wieder an!



Jetzt haben wir uns echt lange damit beschäftigt, woher all die Wolken kommen, die unseren Bewusstseins-Himmel bis zur kompletten Sonnenfinsternis trüben. Wie schaffst Du es nun aber, die Sonne wieder in Dein Leben zu holen, die Wolken kraftvoll auf die Seite zu schieben? Leider muss ich Dir jetzt ein „Geheimnis“ verraten, das ich Dir auch in vergangenen Beiträgen schon verraten habe.


>>> Sei dankbar für das, was Du hast! <<<


Wusstest Du eigentlich schon, dass Dein Herz Tag für Tag knapp 100.000 Mal für Dich schlägt und dabei mal einfach so 300 Liter Blut pro Stunde durch ca. 96.000 Kilometer Adernsystem transportiert – ohne, dass Du daran auch nur einen Gedanken verschwenden musst? Wie unfassbar ist das denn bitte? Als ich das zum ersten Mal las und wirklich bewusst wahrgenommen habe, was das bedeutet, war ich zugegebenermaßen ziemlich sentimental. Anstatt uns darüber zu beschweren, was alles ständig schlecht ist und läuft, sollten wir uns lieber einmal vor Augen führen, wie gesegnet wir sind – alleine dadurch, dass wir leben und unser unermüdliches System Tag für Tag dafür sorgt, dass alles mehr oder weniger reibungslos funktioniert.


Wenn Du dann noch diesen Beitrag hier gelesen hast, gehörst Du zum einen zu den glücklichen 50% der Weltbevölkerung, die über einen Internetzugang verfügen und zum anderen kannst Du sehen, lesen und verstehen.


Vermutlich sitzt Du gerade auch noch bequem zuhause auf einem gemütlichen Untergrund, bist nicht hungrig und durstig und weißt, dass das auch morgen noch so sein wird.


Lass uns noch einen Schritt weiter gehen. Vielleicht gibt es einen, möglicherweise sogar mehrere Menschen in Deinem Leben, die Dich schätzen und lieben?


Die beste Reise bringt uns immer nach Hause.


Nach Hause zu uns selbst. Und ich möchte Dir so sehr ans Herz legen, diese Reise noch heute anzutreten, heute damit zu beginnen, Deine Lebensgeschichte neu zu entwerfen.


Stell Dir einmal vor, Du könntest durch Dein Sein die Welt verändern. Und dann tu es einfach.


Falls Du Hilfe beim Aufbruch brauchst, eine Reisegefährtin zum Reflektieren, für neue Denkanstöße oder den nötigen Motivationsschub suchst, melde Dich bei mir. Wenn Du es erst einmal alleine versuchen möchtest, kann ich Dir diesen oder diesen Beitrag ans Herz legen.


Alles Liebe für Dich,

Franziska

© FRANZISKA DITTRICH

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