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Was ist Hochbegabung?

In diesem ersten Beitrag soll es darum gehen, was Hochbegabung ist, welche weitverbreitete Meinung in der Gesellschaft herrscht und welche Folgen daraus resultieren.


Ein Definitionsversuch


Zum Auftakt wird es heute darum gehen, was Hochbegabung eigentlich ist bzw. wann man typischerweise von Hochbegabung spricht.

In den letzten Jahren hat man schon häufiger von diesem Thema gehört – vorrangig aber in Bezug auf Kinder. Hochbegabte Erwachsene sind leider nach wie vor eine eher vernachlässigte Zielgruppe der Bemühungen von Gesellschaft und Wirtschaft.


Geschichte


Seit meiner Kindheit bin ich im Persönlichen mit Hochbegabung befasst und während meines Studiums habe ich etwas in diesem Bereich geforscht. Ab dem 19. Jahrhundert hat man sich der Thematik angenommen und zahlreiche schlaue Köpfe haben diverse Modelle und Thesen zur Hochbegabung entworfen.

Das Resultat ist, dass die Definitionen von Hochbegabung so verschieden sind wie die Menschen, die sich damit beschäftigt haben. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass Menschen so unglaublich vielfältig sind und die Persönlichkeitsausprägungen so individuell, dass es bei jeder einzelnen Definition immer einen gewissen Anteil gibt, der durchs Raster fällt. Dennoch brauchen Menschen bekannterweise für alles Schubladen, um klassifizieren zu können und so hat sich letzten Endes über die Zeit die IQ-Definition durchgesetzt, die besagt, dass eine Person dann als hochbegabt gilt, wenn ihr IQ über 130 liegt. Wenn man nun davon ausgeht, dass Intelligenz in der Bevölkerung normalverteilt ist, gehören ca. 2% zu den Hochbegabten. In Deutschland wären das somit ca. 1,6 Millionen Menschen. Eine nicht zu verachtende Zahl, oder?



Abbildung: Normalverteilung des IQ (Holling&Kanning, Hochbegabung: Forschungsergebnisse und Fördermöglichkeiten, 1999, S. 23)

Die weitverbreitete Meinung der Gesellschaft


Die Gesellschaft tut sich sehr schwer, wenn es darum geht, für unbekannte und andersartige Phänomene eine Erklärung zu finden. Zumeist bedienen sich die Menschen dann dem Naheliegendsten: ihrer eigenen Erfahrungen oder einer gesellschaftlich kreierten und akzeptierten Kollektivmeinung. So auch bei dem Thema Hochbegabung. Zerlegt man das Wort in seine zwei Bestandteile "hoch" und "begabt", kann man die gesellschaftliche Definition erahnen. Man geht davon aus, dass Hochbegabten alles leicht von der Hand geht und sie stets Höchstleistungen erbringen (und daraus folgend auch ein Stück weit abgehoben in ihrem Verhalten sind). Mit Hochbegabung einhergehende Hürden im privaten, schulischen und beruflichen Alltag liegen außerhalb des Vorstellbaren und werden in die Überlegungen nicht mit einbezogen.


Resultat


Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Hochbegabte anders denken und fühlen und ihre Umwelt sehr viel intensiver wahrnehmen als Normalbegabte. Man könnte also sagen, eine besondere intellektuelle, kognitive (geistige) und emotionale Fähigkeit. Hierauf werde ich in den folgenden Beiträgen noch näher eingehen.

Wenn man nun bei der wissenschaftlichen IQ-Definition von Hochbegabung bleibt wird schnell klar, dass ein großer Teil der Menschen höchstwahrscheinlich (zumindest offiziell) nichts von ihren besonderen Fähigkeiten weiß – wer macht schon ohne Anlass einen Intelligenztest? Wenn dann noch der unwissentlich verursachte Druck der Gesellschaft hinzukommt, sind die Weichen für ein Leben in Unsicherheit und  globale Unzufriedenheit gestellt.

All das führt häufig zu hoher Frustration, Ausgrenzung, Unmut über die persönliche Andersartigkeit und zum Gefühl „Mit mir stimmt etwas nicht“ oder „Egal was ich tue, ich werde immer missverstanden“. All diese Gefühle und Gedanken können Betroffene nur schwer oder gar nicht einordnen und ziehen sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück. Gerade im Berufsleben hat das schwerwiegende Folgen und kann zum Abrutschen in die Minderleistung führen.


Warum sollte man dem Geschenk der Hochbegabung dringend mehr Beachtung schenken? Darum geht es in diesem Artikel.


Herzlichst,  Franziska Dittrich

© FRANZISKA DITTRICH

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